Zelebration

Ein Jahr kann noch so divers gewesen sein im Vergleich zum Vorgänger, zuverlässig wird an seinem Ende immer das Selbe diskutiert: Wo und wie wird der Wechsel begangen? Genau wie kurz zuvor bei den Weihnachtstagen stellt man sich meist auch zu Silvester gar nicht erst die Frage, ob der 31. überhaupt bemerkenswert sein könnte – er ist es einfach. Hier wird zwar keine Prophetengeburt gefeiert, aber es sind immerhin 365 Tage vergangen, die in einem Rahmen säuberlich abgeschlossen werden wollen. Entweder, weil das vergangene Jahr so bescheiden war, dass man es am liebsten ganz schnell ganz weit hinten in die Schublade des Vergessens räumen würde, säuberlich. Ab morgen wird alles besser. Oder, weil ein Rückblick so sehr mit Zufriedenheit erfüllt, dass der Jahreswechsel eine ideale Wegmarkierung darstellt. Um innerlich herzhaft in den Energiesnack dieser ganzen guten Gefühle hineinzubeißen. Ab morgen wird alles mindestens genauso gut.

Anders als zu Weihnachten finde ich aber diese „Wo und wie“-Frage ziemlich anstrengend. In den vergangenen Jahren und auch in diesem habe ich es irgendwie geschafft, eine Einladung von mir wohlgesonnenen Menschen zu bekommen. Und anders als zu Weihnachten – bei dem es für mich außer Frage steht, dass ich es gemeinsam mit meiner Familie feiere – bin ich dann jedes Mal auf’s Neue überfordert von der Entscheidung, ob ich den Jahreswechsel überhaupt mit anderen oder vielleicht lieber ganz allein zelebrieren möchte. Mittlerweile glaube ich, dass ich mich hier einfach nicht moralisch oder emotional dazu verpflichtet fühlen muss, unter Garantie bei bestimmten Menschen aufzukreuzen. Denn Silvester ist, zumindest für mich, eher keine Feier der Familie, sondern der Freunde – und von denen gibt es nunmal so viele, dass ich unmöglich bei allen gleichzeitig sein kann. Es muss also jedes Mal herausgefunden werden: „Mit wem eigentlich?“ Und genau darum regt sich dann auch zuverlässig der eigene Kompass des Wohlbefindens. Wenn ich schon entscheiden kann, mit wem ich eigentlich, tief hier drin, diesen Abend des Revue-Passierens verbringen möchte, warum nicht einfach mal mit mir selber und niemandem sonst? Denn seien wir mal ehrlich, an keinem anderen Abend des Jahres wäre eine passendere Gelegenheit, in sich zu gehen und sich selbst mal zu danken: Für all das, was man so erledigt, durchgemacht und geschafft hat bisher.

Ein Gedanke zu “Zelebration

  1. Liebe Josi, hast du die Nacht letztendlich tatsächlich allein verbracht? Ich hatte dieses Jahr auch mit dem Gedanken gespielt, aber ahnte schon, dass ich dann an dem Abend selbst in Selbstmitleid versinken würde angesichts meiner Einsamkeit, während draußen alle anderen feiern. Für mich lag der Trick in den letzten Jahren entweder darin, einfach alle meine Freunde einzuladen (um nicht selber wählen zu müssen ;)), oder mich einfach treiben zu lassen – in die Richtung, aus der eine Einladung kam. Und Silvester nicht zu ernst zu nehmen. Dieses Jahr war ich um halb zwei im Bett, aber habe drei tolle Tage bei sehr lieben Freunden verbracht. Ich hoffe, du bist ebenso gut gestartet. Frohes Neues!!

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